Mumbai

  • Für die knapp 1000 km von Kozhikode nach Mumbai hat der Zug fast 24 Stunden gebraucht, auch das ein- und auschecken mit dem Rad im Gepäckwagon hat erstaunlich gut geklappt (von der üblichen Bürokratie mal abgesehen). Um mein Gepäck am Ziel Bahnhof zwischenlagern zu dürfen (mach ich immer an großen Bahnhöfen) bin ich an die Polizei im Eingangsbereich verwiesen worden, welche die Taschen durchleuchten und anschließend mit einem Siegel bestätigen sollte. In der Bahnhofshalle saß ein gelangweilter Beamter neben einer eingestaubten Gepäck-Scan Maschine. Ohne mit der Wimper zu zucken hat er mir je einen Aufkleber („Siegel“) auf meine Gepäckträgertaschen geklebt und mir anschließend mit einer Handbewegung zu verstehen gegeben ich solle verschwinden. Auf meine Frage hin ob er die Taschen denn nicht vielleicht doch scannen möchte kam er keine Reaktion. Auch die vertrockneten Aufkleber begannen sich bereits Sekunden später zu lösen. Na gut, also auf die indische Art, Hauptsache wieder ein paar Papiere zwecks Dokumentation ausgefüllt, bravo! Zurück zur Gepäckaufbewahrung, mich zwecks möglicher Nahrungsmittel in dem Taschen belehren lassen, „es gäbe hier überall Ratten und wenn die was essbares in den Taschen riechen würden die alles zerfetzen“. Ok, Trockenfrüchte also entfernt und endlich aufgesattelt. Es war zum Glück nur ein Katzensprung über den Highway ins Bombay Backpackers. Der Verkehr war wie nicht anders zu erwarten, verrückt. Dank blinkendem front-LED im Paranoia Modus konnte ich mir auch in der Dunkelheit unversehrt den Weg zum Gästehaus bahnen. Um das Schicksal nicht all zu sehr auf die Probe zu stellen bin ich die beiden anderen Tage auf sightseeing und Brillen Shopping dann aber doch per Uber-Taxi unterwegs gewesen, was mich auch vor den üblichen Randerscheinungen wie Regen, Smog, Lärm und Kadavern verschont hat. In Mumbai sieht der Himmel übrigens durchwegs grau aus, von daher hat sich ist auch ein frühes Aufstehen zwecks gutem Licht für ordentliche ein paar schöne Fotos nicht wirklich gelohnt. Bei jedem Spaziergang über die Halbinsel begegne ich Ratten, Schaben und in ganz besonderem Ausmaß, menschlichem Elend. Auch der Unterschied zwischen Arm und Reich war mir bisher nie heftiger aufgefallen als in dieser Stadt. Es ist mir ein Rätsel wie man sich freiwillig einen solchen Ort zum Leben aussuchen kann, bzw. nicht schleunigst die Beine in die Hand nimmt (sofern man noch welche hat) und sich vom Acker macht. Ist es der grundsätzliche Mangel an Bewusstsein für Hygiene, guter (bzw. überhaupt) Luft und respektvollem Umgang mit der Umwelt? Perspektivlosigkeit vielleicht? Kastenwesen? Es ist mir unerklärlich. Man könnte meinen die Mehrheit der Inder befindet sich auf einem Egotrip, egal ob im Verkehr, oder im persönlichen Umgang miteinander. Jeder scheint sich hier selbst der Nächste zu sein und mittlerweile ist auch mein Mitgefühl für dieses einst sicher weise, von kulturell reiche Volk (wenn man sich erst mal durch eine Schicht aus Dreck gewühlt hat) auf ein Minimum gesunken. Ich bin über mich selbst erstaunt und merke dass mir nicht nur Orte wie dieser, sondern dieses Land im allgemeinen ganz schön zusetzt. Zum Glück hab ich bereits bei Ankunft mein nächstes Ticket nach Pune organisiert, dort solls angeblich angenehmer sein und auch die meisten Fahrrad Läden mit guter Auswahl an Ersatzteilen geben. Ich bin mal gespannt…

von Palolem nach Gokarna

Wir verlassen das europäisch geprägte Goa und beschließen die nächste Etappe mit dem Zug zurück zulegen. Palolem war ein Traum (von der ersten Nacht in einen verwanzten Standhütte mal abgesehen…), aber unsere Reise geht weiter Richtung Süden, in das nächste Bundesland Karnataka. Der Bahnhof befindet sich etwas außerhalb von Palolem und der Zug kommt gut 90 min zu spät aus dem benachbarten Margao an, welches ganze 36 km entfernt liegt. Das ist beachtlich und topt sogar rumänische Zustände! Wir lernen: vor einer Zugfahrt unbedingt Proviant mitnehmen, oder vorher ausgiebig speisen!

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von Benaulim nach Agonda, Goa

Nach ein paar sehr erholsamen Nächten in der Coconut Beach Hut sind wir voller Tatendrang über den Strand Richtung Pelolem aufgebrochen. Die ersten Kilometer bei Ebbe über den von der Sonne getrockneten Sand waren machbar, das anschließende Stück durch kleinere Dörfer entlang der Küste ein Traum. Nach der Brücke bei Cavelosim war allerdings Schluss mit Lustig, denn mit unseren voll beladenen Rädern mussten wir diverse Hügel überwinden, bei ca. 37°C im Schatten. Wie sich nachträglich herausstelle hatten wir etwa 500 Höhenmeter vor uns und das sicher mehrere Male. Gegen halb neun Uhr Nachts erreichen wir Schweiß gebadet Agonda, ein winziges Strand Dörfchen, etwa 10 km vor unserem geplanten Tagesziel Pelolem. Gerädert mieteten wir uns eine Hütte mit Meeresblick und beschlossen uns erst mal von den Strapazen auszuruhen. Was für ein Auftakt…

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