Srinagar, Kashmir 

Wegen des anhaltenden Monsoons im Tiefland sowie am Fuße des Himalaya, gleichen Straßen vielerorts Sturzbächen, so beschließe ich diese Etappe per Flugzeug zurück zu legen. Von Delhi aus sind es etwa 600 km, oder mit Air India etwas über eine Stunde. Das Rad habe ich bei einem Fahrradhändler (incl. Gepäckträger Taschen) professionell verpacken lassen und checke es ohne Aufschlag als reguläres Gepäck ein. Ich selbst nehme in einem Rucksack nur das allernötigste mit, alles andere vertraue ich bis zu meiner Rückkehr dem Hostel an – ebenso meinen Geldbeutel, welchen ich vor Müdigkeit früh morgens vergessen habe eunzustecken… das Taxi bestelle ich per Uber, so fällt mir mein Missgeschick erst beim Check-in am Flughafen auf. Wenigstens habe ich meinen Reisepass als auch meine aktuell nicht funktionsfähigen Bankkarten stecken, so komme ich meinen Ziel zwar näher, sitze anschließend aber immer noch auf dem Trockenen. In meinem Hemd finde ich 250 Rupien, die bringen mich nicht mehr weit. Ich bitte den Sicherheitsdienst mich aus dem Flughafen raus zu lassen um mir ein Taxi zurück zum hostel zu bestellen, es sind ja noch zwei Stunden bis zum boarding und nur ganze 20 Minuten über den Highway zur ehem. Herberge. Vergebens. Ein mal eingecheckt führt kein Weg mehr aus Delhis Indra Gandhi Flughafen raus. Die Sicherheitsvorkehrungen werden hier tatsächlich ernst genommen, ich bin erstaunt. Wenigstens funktioniert mein Handy noch, also rufe ich im bereits reservieren Gästehaus in Srinagar an und bitte mir eine post-paid Taxi zwecks Flughafen Transfer zu organisieren. Glück gehabt, Abholung als auch Frühstück uns Abendessen sind im Preis inbegriffen, fürs Mittagessen lasse ich mir was einfallen. Nach meiner Ankunft baue ich etst mal mein Steppi zusammen und fahre zum Markt, auf der Suche nach etwas günstigem zu Essen. Ein Einheimischer quatscht mich an und löchert mich mit Fragen, ich bin misstrauisch, bis er mich zum Tee einlädt (bei Naturalien werde ich noch immer schwach…). Dann erzählt er mir von seinem Hausboot und der miserablen Lage in Kashmir. Wegen der negativen Berichterstattung in den Medien lässt sich kaum mehr jemand auswärtiges blicken. Die Realität sieht anders aus, das war bereits vor Jahren bei meinen ersten Besuch hier so und hat sich scheinbar nicht geändert. Die einzigen zwielichtigen Personen befinden sich nach wie vor am Hauptboulevard und versuchen einen zu überteuerten Preisen auf eine Bootstour zu locken, „Shikara, Shikara Shikaraaa“ rufen sie einem unermüdlich hinterher. Es ist Hochsaison und rund um den Dal Lake, der Hauptattraktion Srinagars, warten Straßenhändler auf Kundschaft. Ich begleite meine neue Bekanntschaft auf sein Hausboot und lerne seine Familie kennen. Man lebt hier in ärmlichen Verhältnisen, ist aber trotzdem sehr gastfreundlich und spricht viel von Allah. Aus den Lautsprechern der naheliegenden Moschee tönt es zum Gebet, man hört es im ganzen Taal, sogar in stereo von mehreren Seiten gleichzeitig. Fünf Mal am Tag. Gulzar, mein Gastgeber, bietet mir vom Tee abgesehen diverse Ausflüge an, versteht aber auch dass ich aktuell selbst keine Mittel habe und in der Klemme stecke. Er ist bereit  mich so lange wie nötig mit Mittagessen zu versorgen, dafür ziehe ich so bald wieder flüssig auf sein Hausboot um und bezahle für Kost und Logie. Deal. Es ist endlich wieder Monatsanfang und ich schaffe es mein Konto aufzuladen, ich bin erleichtert. EC-Karten werden in Kashmirs Bankomaten nicht akzeptiert und übers Wochenende eine Überweisung zu starten dauert seine Zeit – falls das Netz nicht mal wieder offline ist (als Vergeltung von der Zentralregierung in Delhi, wie ich später erfahre) oder es einen der üblichen Stromausfälle gibt…

man hat sich beim Verpacken tatsächlich Mühe gegeben, es kam alles heil an. Vielen Dank an Giant Starkenn New Delhi

Josh, mein Neuseeländischer Zimmergenosse findet meinen Geldbeutel und gibt ihn an der Rezeption ab 

mit Gulzar in einem Sumo (Sammektaxi) auf den Weg zu seiner Familie in Srinagars Vorort Shalimar

In einem typischen Kashmiri Haus sitzt man auf dem Boden, wo man auch speist und raucht. Die schwarze Flagge sowie das Sturmgewehr hab ich fürs Foto mal bei Seite geräumt, nicht das es noch zu Verwechslungen kommt… 

Der Sommer in Kashmir ist heiß, Esinheimische suchen Erfrischung im Gletscherfluss. 

Veröffentlicht von

VeloVagabund

I'm a restless soul with a passion for cycling, photography and adventure. If you enjoy reading about unsusal bike-trips and the challenges it brings along, you've found the right spot.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s