Behandlungsverlauf /-Abschluss

wie beim klassischen Ayurveda bekommt man auch hier täglich Massagen  mit erwärmten Kräuter-Ölen, jedoch statt der üblichen Abhyanga-Massage, bei der zwei Personen synchron je eine Körperhälfte bearbeiten, ist hier ein Kalari-Masseur am Werk, der überwiegend mit seinen Fußflächen arbeitet. Er hält sich dabei an einer Schnur, welche an der Decke herab hängt fest um sein Gewicht mal mehr, mal weniger auf die entsprechenden Stellen zu verteilen. Es wird vom Oberkörper herab massiert, wobei das erwärmte Öl dazu dient das Luft Element im Körper (Vata) über die Haut in Schwung zu bringen und somit die anderen beiden „Körpersubstanzen“ (Doshas) zu beeinflussen: Pitta (Feuer) und Kapha (Erde). Konkret: wenn z.B. Pitta und Vata dominiert, wird darauf abgezielt mit bestimmten Kräutern und Nahrung, bzw. deren vorherrschende Geschmacksrichtung die anderen Elemente zu reizen, oder eben zu besänftigen. Der hohe Pitta Anteil lässt z.B. auf Rastlosigkeit, Verausgabung und einen schnellen Stoffwechsel schließen, ein erfahrener Ayurveda Dr sieht das bereits an der körperlichen Konstitution. So weit meine laienhafte Erklärung. Ursprung dieser Art Massage geht interessanter weise auf den Kampfsport „Kalaripayattu“ zurück, welcher angeblich die Mutter aller Kampfsportarten ist.  Nach einer Woche Behandlung und drei Tagen Ruhezeit fühle ich mich jedenfalls sehr erholt und bin bereit Richtung Himalaja durchzustarten. Vorher ist allerdings noch etwas Gepäck-Entschlackung angesagt…

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Ankunft in der Ayurveda Klinik

Nur ca. 10 Rad Minuten vom Bahnhof entfernt befindet sich in einer ruhigen Seitenstraße die traditionsreiche Ayurveda Klinik und Kampfsportschule „Hindustan Kalari Sangam„. Die Einrichtung ist auf Sportunfälle und post- operative Reha. spezialisiert. Nach einem ausgiebigen Gespräch mit dem zuständigen Arzt werde ich gleich über des Prozedere der nächsten Tage informiert, nebenbei sehe ich mir die Behandlungsfotos an den Wänden an. Hier verfolgt man einen etwas anderen Ansatz der Ayurveda Behandlung, in der sich üblicher Weise alles um Entgiftung dreht. Auf den ersten Blick könnte man fast meinen, es würde nach nordamerikanischem Modell „therapiert“. Ich lass mich mal überraschen… 😉

Aufbruch nach Kozhikode, Nord Kerala 

nach einer entspannten, aber unterkühlten Nacht im klimatisierten Schlafsaal am nächsten Morgen meine sieben Sachen gepackt und zur Fähre um die Ecke gedüst. Es wird mal wieder gestreikt, so eine Überraschung… Zum Glück ist Fort Kochi mit diversen Fähren angebunden und nur wenige km weiter ist bereits die nächste Anlegestelle. Na also, keine halbe Stunde später bin ich bereits auf dem Festland und kurz darauf auch schon am Bahnhof. Die nächste Überraschung lässt nicht lange auf sich warten, der geplante 12:50 Uhr Zug fällt heute aus heißt es, alternativ soll ich doch den vorherigen nehmen, denn der ist noch gar nicht da. Ich sehe auf die Uhr und stelle fest, die Zeit reicht sogar noch für einen kleinen Brunch! In diesem Land braucht man echt nichts planen, alles hängt davon ab zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein… 😀

Fort Kochi, Kerala

ehemals eine portugiesische Kolonie, wurde hier die ersten Festung des Subkontinents errichtet. Heute ist es eine Touristenhochburg, jedenfalls was die vorgelagerten Halbinseln mit dem Fischmarkt und den chinesischen Fischernetzen betrifft. Auch steht hier die älteste von Europäern erbaute Kirche. Davon abgesehen ist es in Kochi wesentlich angenehmer als auf dem Festland, wo die üblichen „Randerscheinungen“ herrschen. Auch der Müll hällt sich hier in Grenzen. Anscheinend hat man begriffen dass Tourismus (selbst wenn es einheimischer ist) besser funktionert wenns vor Ort einiger Maßen sauber ist (von Varanasi mal abgesehen…). An den klugen sprüchen auf den Mülleimern, auf denen „use me“ steht kanns jedenfalls nicht liegen. Hier gibt man sich wirklich Mühe. Incredible India 😉

zurück nach Cherai, Kerala 

Nach über einer Woche Bangalore-Wahnsinn nun endlich wieder zurück an der Küste, genauer gesagt am Kuzhupilly Beach, mit den sich dahinter befindlichen Seen. Es waren fast 11 Std. mit dem Nachtzug und ich bin ganz schön ko, das Küstenörtchen ist eine willkommene Entschädigung. Hier, kurz vor Cherai ist die Welt noch in Ordnung (für indische Verhältnisse). Die Kinder grüßen einen und bitten um Mitbringsel aus der Heimat, fragen woher man sei, usw. Werde eine Nacht in der Chameleon Beach Lodge (eine echte Oase!) ausruhen und anschließend mein dort zwischen geparktes Rad für die morgige Tour nach Fort Cochin fit machen. Die salzhaltige Luft nagt bereits an der Kette, den Scheibenbremsen, etc. und der einsetzende Monsoon gibt meinem Steppi den Rest…

neuer Tag, altes Chaos

Diese Stadt ist ein Irrenhaus… heute wären mir beinahe Bauarbeiter mit Fasaden Abdeckungen gegen den Kopf gelaufen. In letzter Sekunde hab ich meinen Blick vom Boden nach vorne gerichtet und bin ausgewichen… Ständig ist man in dieser Stadt damit beschäftigt nach „Tretmienen“, Löchern, schlafenden, oder Toten Tieren Ausschau zu halten. Es ist kaum zu fassen, wenn man es nicht selbst erlebt hat. Wem die Heimat zu spießig, versnobt, langweilig, etc. erscheint, dem empfehle ich einen Besuch in einer dieser „boomenden Metropolen“ Indiens. Wer dann noch nicht kuriert ist, dem ist mehr zu helfen. Man braucht schon einen triftigen Grund sich hier ohne klimatisiertem Auto durchs Menschenmeer zu winden. Dank der IT-Industrie sagt man, kommt es auch immer wieder zu Stromausfällen. Ein Hoch auf den unnachhaltigen Wachstum! Die Stadt platzt aus allen Nähten, in 20 Jahren ist die Bevölkerung auf ein über 20 faches gewachsen!! Während an einem Ende noch gebaut wird, verfällt am anderen bereits das eben erst fertig gestellte…

überleben im Großstadt Dschungel 

Auf der Suche nach einem funktionsfähigem Bankautomaten bin ich heute Stunden durch die Stadt geirrt. Wenn ihr mich also fragt was ich mit all meiner „Freizeit“ so anstelle, jetzt wisst ihrs. Oft ist es ein Kampf hierzulande die kleinsten, aber eben wichtigsten Dinge erledigt zu bekommen. Unvorstellbar, wenn mans nicht selbst erlebt hat. Mitte Mai hatte ich mir z.B. eine SIM-Karte zugelegt, ganze sechs Tage hats gedauert bis sie einsatzfähig war! Drei Passfotos, eine Ausweiskopie (Unterschrift auf beidem!) und etliche Telefonate mit dem Support waren nötig um das zu aktivieren. Für ungeduldige ist dieses Land jedenfalls nichts und auch mir fällt es oft schwer bei all der Gleichgültigkeit und Inkompetenz der Leute (bis auf einige wenige Ausnahmen, meistens auf Provision angestellte, oder tatsächlich einfach nur freundlich gesinnte Mitmenschen) nicht die Fassung zu verlieren. Nerven aus Stahl, eine gute Atemmaske, Ohrstöpsel und GPS sind angesagt, sonst dreht man durch… Ohmmmm!

Zahnarzt Besuch

Neues Land, neuer Dübel – Auf Empfehlung einer indisch stämmigen Nord Amerikanerin hab ich mir heute ein Implantat setzen lassen. Zwar war mir schon etwas mulmig zu Mute es tatsächlich HIER machen zu lassen, aber zum Glück war der Arzt sehr ruiniert und keine 15 min später war die OP auch schon rum. Zur Abwechslung mal ein angenehmes Erlebnis, wer sagts denn. Ich will zwar nicht zum Zahntourismus animieren – denn wenn was schief geht, oder nachträglich ausgebessert werden muss, ist in der Heimat nicht jeder Arzt bereit einen Fremdimplantat zu versorgen. Aber die Alternative war genauso wenig akzeptabel: noch diesen Monat heim fliegen und es dort erledigen lassen. Wenn Zahnlücken nicht innerhalb weniger Monate geschlossen werden, kann das Gebiss anfangen sich sich zu verschieben und das steht aktuell sicher nicht auf dem Programm. Jetzt ist erst mal ein paar Tage Pillen schlucken angesagt… Prost!

alltägliches

auf der Suche nach einem Postamt bin ich heute auf etwas gestoßen das zumindest von außen so aussah als könnte es eines sein. Drinnen war es das übliche Gedränge, nicht mal vergleichbar mit dem Postamt bei uns am Hauptbahnhof, denn dort stellt man sich ja wenigstens noch an. Beim Kauf der Briefmarken wurde ich dann in eine Ecke verwiesen, in welcher die Marken zu bekleben wären. Komisch dachte ich mir, aber ok. Abgeschleckt hätte ich die Dinger eh micht, also rüber zum Kleber. Dort erwartete mich eine weiß-grün schimmlige Masse in der sich ein paar Ameisen verloren hatten. Dazu ein metallenes Stäbchen zum Verschmieren des Klebers… Mahlzeit!0015_Bangalore_altägliches.jpg