Kochi, Kerala 

der Zug aus Kumta kam wie nicht anders erwartet, Stunden zu spät. Es war ein Kampf an der Station überhaupt Tickets für unsere Räder zu bekommen, denn in diesem Nest wird der Gepäck Wagen normalerweise nicht aufgesperrt, man könnte ja den Zugfahrplan durcheinander bringen. Ach ja. Außerdem weiß man nicht ob noch Platz für unsere Räder ist und überhaupt sollen wir später wieder kommen. Nach gefühlten 8-10 weiteren Besuchen beim Stations Manager war er immerhin bereit im Abfahrtsbahnhof anzurufen und sich dort zu erkundigen ob noch Platz ist, dann würde uns jemand den Wagon aufsperren. Nach weiterem hin und her erreichte uns die Bestätigung aus dem Abfahrtbahnhof, der Gepäckwagen wäre bereits voll. Wir ließen uns trotzdem nicht ab wimmeln und nervten das Personal so lange, bis uns jemand bestätigte dass wir auch im Personen Wagon einsteigen könnten. Natürlich würden wir das auf eigene Gefahr tun und die Information käme ganz sicher nicht vom Bahnhof. Evtl. wäre auch noch eine extra Gebühr zu bezahlen. Warum nicht gleich so, wenn schon gleichgültig, dann bitte konsequent! Wir waren erleichtert und lernten von nun an auf die „indische Art“ zu reisen. Mit den Rädern im Personenabteil, bzw. wo auch immer wir Platz fanden 😉

Kumta, Karnataka 

Um nicht in Gorkarna zu versumpfen, beschlossen weiter gen Süden zu reisen – schließlich gab es noch einiges zu sehen und in zwei Wochen mussen wir in Bangalore sein um meine Velovagabundin am Flughafen in die alte Heimat zu verabschieden. Auch der Monsoon hat sich bereits mehrmals mit heftigen Gewittern angekündigt, es gilt also keine Zeit zu verlieren. Uns schweren Herzens von Ratan, Rasheed und Co. verabschiedet und zur Fähre Richtung Kumta geradelt. Dort angekommen wussten wir erst mal nicht wohin, auch die Anweisungen der Einheimischen das letzte Boot zu nehmen waren nicht sonderlich hilfreich. Am Hafen standen schließlich nur Fischerboote, der Geruch war entsprechend intensiv. Noch dazu wurde vor unseren Augen der Fang sortiert, in Kühltaschen gepackt und von ausgemagerten Räubern zu Land wie zu Luft beäugt. Als endlich klar war wo übergesetzt wird, war auch schon unsere „Fähre“ zur Stelle…

Das Örtchen Kumta gab nicht viel her, kaum jemand wird sich je hierher verirren, wenn nicht gerade geplant ist per Nussschale der Landweg zur nächsten Zughaltestelle abzukürzen. Auf der Suche nach einem Gästehaus landeten wir schließlich wieder in einer Ayurveda Klinik, mit der Hoffnung dort bis morgen ein Bettchen zu ergattern. Vergebens. Wenigstens verwies man uns an eine Privat Person, welche Zimmer in ihrem Haus zu vermieten hatte. Eine unglaubliche Begegnung, die mich tatsächlich zum Kochen brachte. In dieses Gästehaus möchte man nicht mal seine schlimmsten Feinde hin schicken…

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Zwecks Ausweiskopien für unseren freundlichen Gastgeber nun extra einige km weiter den nächsten Copy-shop aufgesucht und dort den Inhaber damit beauftragt. Da alle Kopien abgeschnitten raus kamen und auch sein nächster Versuch scheiterte, beschloss ich die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Nach erfolgreichem Abschluss präsentierte er mir nun die Rechnung, incl. seiner erfolglosen Fehlversuche. Der Betrag war zwar lächerlich und nicht weiter erwähnenswert, aber alleine die Tatsache für die Unfähigkeit eines anderen bezahlen zu müssen… nein,  dieses Land… wem hier nicht die Zündschnur abbrennt, der ist entweder einheimisch und kennt es nicht anders (darum vielleicht auch die permanente Gleichgültigkeit die einem hier begegnet), oder er ist völlig tiefen entspannt und zeitlos, also ein Yogi. Kurz vor Sonnenuntergang hatten wir es zum Glück doch noch zurück zu unserem freundlichen Gastgeber geschafft, ihm die Ausweiskopien ausgehändigt, uns registriert (doppelt), das Zimmer nun endlich beziehen dürfen und auf den letzten Drücker noch einen Sprung ins Meer geschafft… ufff. Wenigstens mussten wir nicht auf der Straße übernachten. Am nächsten Tag waren wir jedenfalls bereits um 7 Uhr Morgens wieder auf der Piste, nichts wie weg hier…

Gokarna, Karnataka

Am späten Nachmittag an der ca. 10 km vom Ort entfernt gelegenen Zug Station angekommen und das letzte Stück nach Gokarna auf einer Landstraße zurück gelegt. Unser Weg durch diverse kleinere Dörfer war wie üblich ein Erlebnis, den Menschen war ihr Erstaunen anzusehen: Weiße… komisch bepackte Räder… heiß… die spinnen…  wahrscheinlich hatten die meisten noch nie Ausländer gesehen…

Am Zielort angekommen mussten wir den letzten steilen Hügel zu unserer Herberge  hoch schieben, wieder ein mal mit letzter Kraft. Zu unserer Überraschung kamen uns ein paar Einheimische die in die selbe Richtung unterwegs waren zu Hilfe und unterstützten beim Schieben. So viel Hilfsbereitschaft war uns seither noch nicht begegnet, umso mehr überrascht waren wir über dieser Erlebnis. Oben angekommen hatte sich der mühsame Aufstieg gelohnt, die Aussicht von unserer ersten Herberge, dem Zostel, war der Hit!

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Wegen erneuter Beschwerden mit meinem ehemals gebrochenem Fuß (diesmal ein geschwollener Knöchel) waren wir heute den ganzen Tag über auf der Suche nach einem Masseur. Inzwischen hatten wir die Gegend rund um das mittelalterlich wirkende Gokarna, incl. der Strände abgeklappert, jedoch ohne Erfolg. Da Nebensaison war hatte bereits alles was Richtung Massage aussah geschlossen. Etwas entmutigt brachen wir abends wieder Richtung Herberge auf, stießen dabei aber auf ein interessantes Schild am Straßenrand: Holistic Healing Culture Center. Bei einem Blick über die Eingangsschranke wurden wir aufs Grundstück gewunken und zu einem Chai Tee eingeladen. Am nächsten Tag kamen wir samt Gepäck zurück und blieben ganze acht Tage! Wir lernten Reflexzonen Massage an Fuß, Kopf und Rücken, durften unter Anleitung zuerst gegenseitig an uns selbst üben, dann auch an anderen Patienten. Was für eine Erfahrung! Mein Lymphsystem war inzwischen wieder in Schwung geraten und die Schwellung damit beseitigt. Tatsächlich wollte ich schon immer mal massieren lernen, wer hätte gedacht dass es so passiert…

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unten, v.l.: Dr. Rathan, Rasheed (aka Prince of Andaman Island), meinereiner, meine bessere Hälfte. Hinten: Rasheeds Sohn Rayhaan und seine Schwester

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Gokarna Lagoon, hinter dem Strand nach einem Weg zurück zur Straße gesucht…

von Palolem nach Gokarna

Wir verlassen das europäisch geprägte Goa und beschließen die nächste Etappe mit dem Zug zurück zulegen. Palolem war ein Traum (von der ersten Nacht in einen verwanzten Standhütte mal abgesehen…), aber unsere Reise geht weiter Richtung Süden, in das nächste Bundesland Karnataka. Der Bahnhof befindet sich etwas außerhalb von Palolem und der Zug kommt gut 90 min zu spät aus dem benachbarten Margao an, welches ganze 36 km entfernt liegt. Das ist beachtlich und topt sogar rumänische Zustände! Wir lernen: vor einer Zugfahrt unbedingt Proviant mitnehmen, oder vorher ausgiebig speisen!

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von Agonda nach Palolem, Süd-Goa

Nach zwei Nächten Rast in diesem kleinen, aber feinen Küstenörtchen sind wir kurz nach dem die Mittagshitze in Richtung Palolem aufgebrochen. In Agonda hatten wir dern Strand fast für uns alleine, der ungeplante Zwischenstop kam uns sehr gelegen, denn die Hitze war unerträglich. Erst später erfuhren wir das der Monat vor dem Monsoon die höchsten Temperaturen mit sich bringt…

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Die letzten 10 km nach Pelolem haben wir sehr genossen, der Weg zog sich entlang diverser kleinerer Dörfchen an deren Wegessrand allerlei zu beobachten war. Es wurde z.B. Grundwasser mittels Muskelkraft gepumpt und anschließend in metallenen Krügen auf dem Kopf nach Hause balanciert. Es haben uns Rollerfahrer eskortiert und unterwegs allerlei Dinge über unser Vorhaben ausgefragt. Als wir uns ein mal an einer Abzweigung nach dem richtigen Weg erkundigten, wurden wir von einem neuseeländischen Inder zu dem Abendkonzert seiner Band eingeladen, die Fahrt war mehr als unterhaltsam. Am Strand von Palolem haben wir uns schließlich ein Bungalow gemietet und sind sofort ins Meer gehöpft. Die halbmondförmige Bucht ist der Hit, den Sonnenuntergang gar nicht zu erwähnen. Palolem ist eindeutig ein super turistisches Örtchen mit relativ guter Infrastruktur. Sogar italienischer Kaffee mit indischem Gebäck wurde hier verkauft, wow! 🙂

von Benaulim nach Agonda, Goa

Nach ein paar sehr erholsamen Nächten in der Coconut Beach Hut sind wir voller Tatendrang über den Strand Richtung Pelolem aufgebrochen. Die ersten Kilometer bei Ebbe über den von der Sonne getrockneten Sand waren machbar, das anschließende Stück durch kleinere Dörfer entlang der Küste ein Traum. Nach der Brücke bei Cavelosim war allerdings Schluss mit Lustig, denn mit unseren voll beladenen Rädern mussten wir diverse Hügel überwinden, bei ca. 37°C im Schatten. Wie sich nachträglich herausstelle hatten wir etwa 500 Höhenmeter vor uns und das sicher mehrere Male. Gegen halb neun Uhr Nachts erreichen wir Schweiß gebadet Agonda, ein winziges Strand Dörfchen, etwa 10 km vor unserem geplanten Tagesziel Pelolem. Gerädert mieteten wir uns eine Hütte mit Meeresblick und beschlossen uns erst mal von den Strapazen auszuruhen. Was für ein Auftakt…

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